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Fünf Mythen über Frauenkarrieren

Von Katharina Schüller

Katharina Schüller

Vor zwei Jahren hatte ich die Gelegenheit, Befragungsdaten von rund 6.000 weiblichen und männlichen Personalmanagern auszuwerten. Eigentlich wollten wir vor allem herausfinden, wer in diesem Beruf arbeitet, was man verdient und wie das Arbeitsumfeld aussieht. Dabei sind jedoch auch ganz erstaunliche Ergebnisse über weibliche Führungskräfte ans Licht gekommen. Nicht alles lässt sich auf alle Frauen in allen Wirtschaftsbereichen verallgemeinern. Aber vielleicht regen handfeste empirische Belege aus dem Berufsfeld Personalmanagement dazu an, auch in anderen Tätigkeitsfeldern weniger auf die Mythen und mehr auf die Fakten zu blicken.

 

Mythos #1: Die besten Karrierechancen haben Frauen im Bereich Personal.

Seit fast genau einem Jahr sitzt Milagros Caiña-Andree als erste Frau im Vorstand von BMW. Sie verantwortet dort „ – na was wohl? – die Ressorts Personal und Sozialwesen“ (Claudia Tödtmann, 09.03.2012, Management-Blog der Wirtschaftswoche).

Derzeit sind 15 Vorstandsposten in den DAX-30-Unternehmen weiblich besetzt; neun dieser Frauen sind für den Bereich Personal zuständig. Rund drei Viertel der Personalmanager in Deutschland sind weiblich, aber nur 46 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Rechnerisch bedeutet das: Eine beliebig ausgewählte, berufstätige Frau in Deutschland hat ge-genüber einem ebenso beliebigen Mann eine um 90 Prozent verringerte Chance, DAX-Vorstand zu werden. Bei Personalmanagerinnen ist die Chance nur um 85 Prozent verringert. Korrigiert man um den Anteil an Akademikerinnern, dann nivelliert sich der Unterschied. Übrigens ist die Chance für eine Frau, IT-Vorstand eines DAX-30-Unternehmens zu werden (immerhin gibt es eine!), auch „nur“ um etwa 86 Prozent schlechter als für einen Mann.

Der Arbeitsmarkt der USA zeigt übrigens das gleiche Bild. Scheinbar bessere Karrierechancen für Frauen im Personalmanagement resultieren daraus, dass es dort mehr Frauen gibt. Je höher die Position, umso seltener hat eine Frau sie inne. Das gilt für alle Berufe.

 

Mythos #2: Frauen bilden sich weiter – und kommen trotzdem nicht so weit.

Frauen zeigen deutlich mehr Weiterbildungsbereitschaft als Männer. Der Anteil der Frauen, die zugunsten der Karriere in ein berufsbegleitendes Studium investieren würden, ist um 40 Prozent höher als derjenige der Männer. Aber: Diese Frauen haben im Schnitt einen geringeren Bildungsgrad und sind im Schnitt auch fast fünf Jahre jünger. Zudem leitet die Hälfte der männlichen Gesamtverantwortlichen die Personalabteilung eines Unternehmens mit mindestens 500 Mitarbeitern. Bei den weiblichen Personalchefs ist es nur ein Viertel.

Dass Frauen in der Wirtschaft eher bereit sind, lebenslang zu lernen, hat wohl damit zu tun, dass in ihren Karrieren noch mehr „Luft nach oben“ ist. Frauen haben bislang noch nicht so viel erreicht wie Männer. Deswegen profitieren sie auch mehr von Weiterbildungen, unabhängig von ihrer Karrierestufe.

 

Mythos #3: Frauen verfolgen andere Ziele und sind mit weniger zufrieden.

Zum Internationalen Frauentag 2011 hat das Beratungsunternehmen Accenture rund 100 Angestellte aus Deutschland zum Thema Karrierechancen befragt. Deutlich mehr Frauen als Männer waren mit ihrer erreichten Karrierestufe zufrieden. Accenture stellt zur Diskussion, ob die Ergebnisse eher Resignation als Zufriedenheit widerspiegeln. Haben sich die Frauen mit schlechteren Aufstiegsmöglichkeiten etwa schon abgefunden?

Für das Berufsfeld Personalmanagement können wir diese Frage mit einem klaren Nein beantworten. Frauen wissen um ihr Aufstiegspotenzial und sind bereit, eine Menge für den nächsten Karriereschritt zu investieren. Auf keiner einzigen Karrierestufe haben wir eine geringere Zufriedenheit von Frauen gefunden. Gleichfalls identisch sind die Faktoren, die Männer und Frauen zufrieden machen. Für beide Geschlechter sind die Tätigkeit selbst, die Akzeptanz durch die Organisationsleitung, die Bedeutung von Zielen sowie nicht zuletzt die wahrgenommene Geschlechtergerechtigkeit wichtige Motivatoren. Wünsche und Werte, die geäußert wurden, haben wenig mit dem Geschlecht zu tun. Männer und Frauen „ticken“ gleich, zumindest im Personal-management.

 

Mythos #4: Männer (oder Frauen) werden bevorzugt.

„Früher wurde offen ausgesprochen, dass man einen Posten nicht bekam, weil man eine Frau ist. Heute werden andere Gründe vorgeschoben“, sagte DAX-Vorstand Regine Stachelhaus in einem Interview. Immerhin zwei Drittel der befragten Personalmanagerinnen und vier Fünftel ihrer männlichen Kollegen sehen das anders. In deren Augen herrscht Chancengleichheit.

Dabei fällt auf, dass Chancengleichheit in großen Unternehmen seltener wahrgenommen wird, als in kleinen. Dies gilt aber in beide Richtungen. Entweder werden Männer bevorzugt, besonders in sehr traditionellen Konzernen. Oder es handelt sich um Unternehmen, die explizit Frauenförderung betreiben, sodass dadurch die Chancen für Männer etwas schlechter werden.

Obwohl tendenziell beide Geschlechter glauben, dass – wenn überhaupt – Männer bevorzugt werden, so denken das Frauen doppelt so oft wie Männer. Bessere Chancen für Frauen nehmen hingegen Männer doppelt so oft wahr wie Frauen. Die Brille bestimmt offensichtlich das Bild. Das wird besonders deutlich, wenn man Mythen von persönlichen Erfahrungen trennt. Je be-rufserfahrener die befragten Personalmanagerinnen nämlich sind, umso häufiger bestätigen sie die Chancengleichheit. Vor allem Einsteigerinnen glauben an die „gläserne Decke“. Zwar fehlen in der Stichprobe solche Frauen, die, frustriert von begrenzten Chancen, ihre Karriere gegen Kind und Küche getauscht haben. Doch es gilt: Je erfolgreicher Personalmanagerinnen (und Personalmanager) sind, desto häufiger geben sie an, dass Chancengleichheit herrsche.

 

Mythos #5: Frauen haben weniger Seilschaften und sind weniger karriereorientiert.

Mehr als zwei Drittel der Männer und Frauen glauben, dass die Familienplanung Frauen am Aufstieg in Führungspositionen hindert. Doch fast die Hälfte der Männer hält auch historische Gründe für entscheidend: Es gebe einfach noch mehr Männer in den Führungsebenen, weil Frauen früher seltener berufstätig waren. Das würde sich bald von selbst ändern. Frauen sehen das anders. 40 Prozent von ihnen denken, Männerseilschaften würden ihnen die Karriere verwehren. Streng genommen sind das zwei Seiten derselben Medaille. Männer haben (noch) in den Führungspositionen das Sagen, und viele sind dort hingekommen, weil sie von anderen Männern gefördert wurden. Abgesehen davon glaubt jeder achte Mann, aber nur jede zwanzigste Frau, dass Personalmanagerinnen zu wenig Durchsetzungsvermögen haben.

Auch hier ist Wahrnehmung nicht gleich Wahrheit. Je höher die eigene Position, umso seltener glauben Frauen und Männer an geschlechtsspezifische Erklärungen. Der Anteil von Gesamtverantwortlichen, die fehlende Netzwerke oder mangelnde Durchsetzungsstärke für schlechte Aufstiegschancen verantwortlich machen, nimmt um ein Drittel ab. Wer es geschafft hat, der glaubt vielmehr meist, dass es aus eigener Kraft möglich ist.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon vor mehr als einem Jahrzehnt hat eine europaweite Studie meist männliche Führungskräfte befragt, wie es ihre (wenigen) Kolleginnen in die oberen Etagen geschafft haben. Fast alle sagten, diese hätten ein herausragendes Leistungsprofil. Über 40 Prozent glaubten, es habe an einem Mentor gelegen; 25 Prozent bescheinigten Führungsfrauen ein gut funktionierendes Netzwerk. Dass Netzwerke eine große Rolle spielen, wissen wir Unternehmerfrauen schon lange. Und wir wissen sie auch mehr und mehr zu nutzen.

 

Katharina Schüller

 

Zur Person:
Dipl.-Stat. Katharina Schüller studierte Psychologie und Statistik in Dresden und München sowie Management an der Bayerischen EliteAkademie. Seit 2003 ist sie mit dem von ihr gegründeten und geleiteten Unternehmen STAT-UP (München, Madrid, London) im Statistical Consulting für Unternehmen und in der Wissenschaft tätig, u.a. in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Chemie-Nobelpreisträger Kary Mullis.
Sie ist Verfasserin einschlägiger Publikationen zur angewandten Statistik, Lehrbeauftragte an mehreren Hochschulen und wöchentlich als Statistikexpertin im Deutschlandradio zu hören.
Anfang Juni wurde sie im Rahmen des International Year of Statistics 2013 als „Statistikerin der Woche“ vorgestellt.




 

 

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